Die besten Neuerscheinungen
Philip Steele: City of Light - Die letzten Tage von Jim Morrison
gelesen von Ben Becker

Paris 1971. Jim Morrison ist in die „City of Light“ geflüchtet, um sich von dem Flair der Stadt inspirieren zu lassen. Niemand ahnt, dass die letzten Tage der Rock´n´Roll Legende angebrochen sind. Autor Philip Steele trifft den 27- jährigen Rockstar und ist sofort tief beeindruckt. Seine Hochachtung geht so weit, dass er über die letzten Tage und Stunden des ausgebrannten Künstlers einen Roman verfasst. Darin schildert Steele unter anderem seine Version vom mysteriösen Ableben der Stilikone Morrison. Nur ein Jahr nach der Buchveröffentlichung erschien im Oktober 2008 das gleichnamige Hörbuch im Handel. Wer sonst hätte der Geschichte mehr Leben einhauchen können, als Ben Becker. Per se schon ein Rebell, ist Ben Becker mit seiner rauchigen Stimme die Starbesetzung, um dieses Buch zu lesen.
Ein gleichermaßen spannendes wie aufregendes Hörerlebnis!
City of Light ist am 3. Oktober 2008 bei der Deutschen Grammophon Literatur erschienen.
Joanna Biernat
Benno Hurt: Wie wir lebten

Michael Kaltenbrach und Eugen Stöber sind zwei Freunde wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Michael nimmt als Richter eine besondere Stellung in Kürren ein, einer Stadt im Süden Deutschlands. Seine Frau Vera und er gehören zu einem Kreis von Freunden aus Juristen, Ärzten und Künstlern, die sich zu Weindegustationen und feinstem Essen einladen. Eugen lebt isoliert in Augsburg in einem kleinen Appartement, begeistert sich für Astronomie und hat sich in Charlotte, die in einem Wohnwagen haust, verliebt. Michael spürt, dass sich die Zeiten ändern – beruflich wie privat. Am Gericht kämpft er mit kunstkritischen Kollegen und russischen Einwanderern, Vera und er entfernen sich zunehmend voneinander. An einem Sonntag im Mai 1993 bereiten sich Michael und Eugen auf eine Reise in die Wachau vor, wo sie mit Michaels Freunden aus Kürren ein paar schöne Tage verbringen wollen. Doch schon bald ist nichts mehr so, wie es einmal war.
Benno Hurt entwirft einen vielschichtigen Gesellschaftsroman und zeichnet ein bewegendes Porträt der neunziger Jahre mit arrivierten Repräsentanten und kantigen Außenseitern.
dtv, 14,90 Euro
Jan Rankin: Ein Rest von Schuld

Die letzte Arbeitswoche von Detective John Rebus vor seiner Pensionierung ist angebrochen, als ein mysteriöser Todesfall noch einmal seinen ganzen Einsatz fordert: Der russische Lyriker und Dissident Alexander Todorow wird erschlagen in einer dunklen Gasse von Edinburgh aufgefunden. Alles deutet auf einen Raubüberfall mit tödlichem Ausgang hin. Doch als Rebus und seine Kollegin Siobhan Clarke erfahren, dass sich eine Delegation von Russen in der Stadt aufhält, werden sie hellhörig. Rebus ist davon überzeugt, dass Todorow gezielt ermordet wurde. Als zeitgleich der Regimekritiker Litwinenko in London beseitigt werden soll, fühlt sich der Detective in seiner Ahnung bestätigt...
Ian Rankin ist Großbritanniens führender Krimiautor. „Ein Rest von Schuld“ ist der letzte Roman aus der Serie mit Inspector John Rebus und der krönende Abschluss einer unvergleichlichen Karriere dieser literarischen Figur.
Manhattan, 19,95 Euro
Kate Atkinson: Lebenslügen

Joanna Hunter ist 36 Jahre alt und hat alles, was man sich nur wünschen kann: ein wunderschönes Haus, geschmackvoll ausgestattet, in einem der angenehmsten Viertel Edinburghs, zwei Autos, einen guten Job als Ärztin, einen treuen Hund und einen attraktiven Ehemann. Ihr ganzes Glück ist aber ihr einjähriger Sohn Gabriel. Wie wunderbar muss es sein, mit dieser Frau, in diesem Haus für immer zu leben, denkt sich Joannas Haushaltshilfe Reggie. Mit ihren 16 Jahren hat Reggie schon einige Härten des Lebens kennen gelernt. Ihre Eltern sind tot, ihr Bruder ist ein Kleinkrimineller, der das Leben seiner Schwester bedenkenlos in Gefahr bringt, wenn er dadurch seine eigene Haut retten kann. Tapfer versucht Reggie aus ihrem Leben das Beste zu machen. Ihr großes Vorbild ist Joanna Hunter. Joanna lässt sie wieder an das Gute in der Welt glauben. Für sie würde Reggie alles tun, wirklich alles. Als Joanna und Gabriel eines Tages spurlos verschwinden, ahnt Reggie noch nichts von Joannas schrecklicher Vergangenheit. Als kleines Mädchen musste Joanna mit ansehen, wie ihre Mutter und ihre Geschwister getötet wurden. Nunmehr scheint sich die Geschichte auf mysteriöse Weise zu wiederholen, denn Reggie hat Joannas Ehemann unter Verdacht. Ermittler Jackson Brodie kennt Frau Hunter und ihre Lebensgeschichte ganz genau und setzt alles daran, sie wieder zu finden ...
Droemer Verlag, 18,95 Euro
Vasugi Ganeshananthan: Die Liebesheirat

Die Studentin Yalini ist Tochter sri-lankischer Einwanderer. Sie wächst in New York auf und fühlt sich dort längst heimisch, als ihre sri-lankische Verwandschaft sie eines Tages mit einer ihr unbekannten Tradition konfrontiert. Von ihrem Onkel erfährt Yalini, dass ihre Cousine an einen Mann verheiratet werden soll, den sie noch nie gesehen hat. Um die Etikette zu wahren, halten Yalinis Eltern an der Lüge fest, dass auch ihre Ehe arrangiert gewesen ist. Yalini beginnt in der Geschichte ihrer Familie und ihrer Kultur zu recherchieren. Plötzlich eröffnet sich der jungen Frau eine ganz neue Welt. Sie begreift, dass viele Verbindungen nicht Akte der Liebe und Freundschaft, sondern das Ergebnis von Krieg und Zwangsheirat gewesen sind.
"Die Liebesheirat" ist der Debütroman der in New York lebenden Autorin.
btb, 19,95 Euro
Frauke Ludowig: Glamour ist kein Geheimnis

Als ob es für die modegeplagte, figurbewusste Frau von heute nicht schon genug Lebensberater gäbe, muss Frauke Ludowig auch noch Ihre persönlichen Tipps zu den Themen Beauty, Relax und Fitness auf den Markt werfen. Die erfolgreiche RTL-Frontfrau geht dabei nach Schema F vor: Man nehme die altbewährten Themen Ernährung, Stress und das Altern, garniere diese mit einigen Interviews von anderen prominenten Frauen und frechen Fotos der Redakteurin und Reporterin vom Magazin „EXPLOSIV“ selbst und fertig ist das Wunderwerk: Glamour ist kein Geheimnis. So gut Frauke Ludowig Ihren Job als Society Expertin und Journalistin bei „EXPLOSIV“ auch macht: Dieses Buch war wirklich nicht nötig!
Marion von Schröder Verlag, 16,90 Euro
Stefan Maiwald: Meine Schwiegermutter ist cooler als deine

Diese kleine Hommage an die eigene Schwiegermutter ist bereits das dritte Werk des Autors Maiwald. Der gebürtige Deutsche lebt und arbeitet auf der Insel Grado, die sich zwischen Venedig und Triest befindet. Von dort schreibt er nicht nur Geschichten, u.a. für das „SZ-Magazin“, die „Frankfurter allgemeine Sonntagszeitung“, den „Playboy“ und die „GQ“, nein, es bleibt auch noch Zeit für die Familie. Maiwalds Erzählung über seine italienische Verwandtschaft ist so liebenswert und humorvoll, dass man selbst am liebsten nach Italien ziehen und dort sesshaft werden möchte. Mit viel Augenzwinkern beschreibt Maiwald das von seiner Schwiegermutter Minnie geführte Matriarchat. Sie ist der „Chef“ – und so nennt er sie auch.
dtv, 8,95 Euro
Robert Kurson: Der Blinde, der wieder sehen lernte

Mike May ist seit seiner Kindheit blind. Als er erfährt, dass sein Sehvermögen vielleicht wieder hergestellt werden kann, unterzieht er sich der riskanten Operation. Die wahre Geschichte schildert, wie sich May in der für ihn ganz ungewohnten Welt visueller Eindrücke zurechtfindet. Zugleich bietet das Buch einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand.
Hoffmann und Campe, 23 Euro
Judith Lennox: Das Haus in den Wolken

Bei einer Autopanne begegnet der wohlhabende Geschäftsmann Richard dem Dienstmädchen Isabel. Richard und Isabel heiraten, bekommen drei Kinder und führen eine erfolgreiche Londoner Firma. Doch als der Erste Weltkrieg ausbricht, droht ein lang gehütetes Geheimnis, Isabel und Ihre Liebsten einzuholen. Ein toller Schmöker für verregnete Wintertage.
Piper, 19,90 Euro
Ron McLarty: Weil ich dich nicht vergessen kann

Als Jono Riley vom Tod seiner Jugendliebe erfährt, werden alte Erinnerungen wach. Marie wurde als junges Mädchen angeschossen, doch der Täter ist noch nicht gefasst. Jono muss den Schützen finden, um endlich im Hier und Jetzt zu leben.
Goldmann, 17,95 Euro
Keith Donohue: Das gestohlende Kind

Als Siebenjähriger wird Henry Day von Kobolden entführt – alterslosen Wesen, die im Wald leben. Sie geben Henry einen neuen Namen, Aniday, und machen ihn zu einem der ihren. Von nun an wird er für immer sieben Jahre jung bleiben. Sein eigenes Leben wird künftig ein Doppelgänger führen, ein Kobold, der seine Gestalt annahm und nun an seiner statt zu Henrys Familie „heimkehrte“. Äußerlich gleicht der Neuankömmling dem gestohlenen Kind fast bis aufs Haar. Keiner erkennt in der Welt der Menschen den Wechselbalg. Nur Henrys Vater beschleicht eine leise Ahnung...
Keith Donohues’ Debütroman „Das gestohlene Kind“ ist an vielen Stellen gruselig, oft verwunderlich und dennoch selbst für alle, die eigentlich nicht an Kobolde und Wechselbälger glauben, immer spannend. Insgesamt ein wirklich lesenswertes, modernes Märchen für Erwachsene, das in den USA schnell zum gefeierten Bestseller wurde und demnächst verfilmt werden soll.
C. Bertelsmann, 19,95 Euro
Elena Rudolph
Kim Edwards: Die Tochter des Fotografen

Glück und Leid liegen oft dicht beieinander. Im Leben der Familie des Arztes Dr. David Henry, das sich in Lexington, Kentucky, abspielt, ist das ebenso. In einer stürmischen Winternacht im Jahr 1964 entbindet er seine hochschwangere Frau Norah. Zunächst kommt ein gesunder Junge auf die Welt, Paul. Doch dann liegt Norah erneut in den Wehen. Henry gibt ihr eine Narkose und bringt das Mädchen Phoebe auf die Welt. Bei ihrem Anblick bricht für ihn eine Welt zusammen: Phoebe ist behindert, sie hat das Downsyndrom. In seiner Panik trifft Henry eine folgenschwere Entscheidung: Er bittet die Krankenschwester Caroline, Phoebe in ein Heim zu bringen. Seiner Frau wird er später erzählen, Phoebe sei bei der Geburt gestorben.
Doch Caroline bringt es nicht über sich, den Säugling abzugeben. Sie beschließt, das Mädchen allein großzuziehen.
Edwards erzählt eine ergreifende Familien- und Lebensgeschichte, die sich über ein Vierteljahrhundert entspinnt. Ein Geschichte voller Gefühle, die unglaublich zu Herzen geht. Nicht umsonst stand "Die Tochter des Fotografen" in den USA wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Empfehlenswerter Lesestoff!
Aufbau Verlag, 9,95 Euro
Peter James: Ein guter Sohn

Ein bisschen „Das Schweigen der Lämmer“ und eine große Portion „American Psycho“, dazu eine so nervenzerreißende wie besondere Story, eine brilliante Sprache und spannende Erzählstruktur – so könnte sich die Zutatenliste für das neueste Werk des Thriller- und Bestsellerautors Peter James lesen. Als Psychiater behandelt Michael Tennent u. a. Gloria Lamark, eine alternde Filmdiva, die mit dem Ende ihrer einst ruhmreich begonnenen, dann aber im Sande verlaufenden Karriere auch nach Jahren nicht klarkommt. Zurückgezogen lebt sie mit ihrem abgöttisch geliebten Sohn Thomas in einer verstaubten alten Villa voller Devotionalien und Bilder aus ihrer verblühten Karriere. Mutter und Sohn leben in einer Scheinwelt und pflegen eine abnormale Beziehung zu einander. Als Gloria eines Morgens tot in ihrem Bett liegt, dreht Thomas durch. Er beschließt, allen, die seiner Mutter jemals Unrecht getan haben, eine Lektion zu erteilen. Allen voran Dr. Tennent...
Knaur Verlag, 6,00 Euro
Nicholas Evans: Wenn der Himmel sich teilt

Bestsellerautor Nicholas Evans, 1950 in Worchester, England, geboren, ist seit seinem Roman „Der Pferdeflüsterer“, der mit Robert Redfort in der Hauptrolle verfilmt wurde, weltberühmt. Nun ist ihm mit „Wenn der Himmel sich teilt“ wieder ein großer Roman gelungen, der in Montana spielt. In unberührter Wildnis finden zwei Skiläufer im winterlichen Eis eine tiefgefrorene Frauenleiche. Es handelt sich um die 20jährige Abbie Cooper, die wegen Mordes vom FBI gesucht wird. Abbie hatte sich, nachdem ihr Vater Ben die Familie wegen einer neuen Liebe verließ, verbittert von der Familie abgewandt und sich einer militanten Umweltschutzorganisation angeschlossen. Weder zum Vater noch zu ihrer Mutter Sarah hatte sie seither Kontakt. Wer trachtete Abbie nach dem Leben? Wer war der mysteriöse Mann, der mit Abbie zusammen war? Wie viel Schuld tragen die Eltern an dieser Tragödie? Und wie viel wusste Abbies Bruder Josh von seiner Schwester? Fragen, die die verzweifelten Eltern nun genauso umtreiben wie die Polizei.
„Wenn der Himmel sich teilt“ ist eine gelungene Kombination aus Familientragödie und Krimi, 445 Seiten voller Spannung und großer Gefühle. Sehr empfehlenswert.
Goldmann, 8,95 Euro
Lilly Brett: Chuzpe

Sie haben Lust auf eine wunderschöne, rührende, aber auch äußerst humorige Vater-Tochter-Geschichte? Dann sollten Sie sich auf keinen Fall dieses großartige Buch von Lilly Brett entgehen lassen. Brett erzählt die Geschichte von Ruth, Ende 40, und ihrem Vater Edek, einem Überlebenden des Holocaust. Ruth ist eine typische, intellektuelle New Yorkerin. Sie hat zwei erwachsene Kinder, einen sie liebenden Mann und – jetzt kommt’s – einen überaus agilen, alten Vater. Dieser verlässt auf ihren Wunsch Australien und zieht in seinem betagten Alter, Edek ist 87, zu ihr nach New York, damit die Tochter sich besser um ihn kümmern kann. Erst ist alles in bester Butter. Als Edek aber versucht, seine Tochter in ihrer kleinen Firma zu unterstützen, in dem er zum Beispiel Unmengen von Büromaterial bestellt, ist Ruth schwer genervt. Kaum dass sie Zeit dazu findet, ihm eine andere Beschäftigung zu besorgen, hat der alte Herr sich auch schon in die 69jährige Zofia, eine Polin, verguckt. Mit ihr eröffnet er ein Restaurant in der Lower Eastside. Zu Ruths Überraschung boomt der Laden mit dem schönen Namen "Klops braucht der Mensch" schon nach kürzester Zeit. Stephen Spielberg ist nicht der einzige Prominente unter den zahlreichen Gästen.
Ein ebenso lustiger, wie rührender Roman über eine ungewöhnliche und doch wieder gewöhnliche Vater-Tochter-Beziehung.
Suhrkamp, 9,90 Euro Susanne Dietrich
Laurence Tardieu: Weil nichts bleibt, wie es ist

Mit acht Jahren verschwindet die kleine Clara spurlos. Ihre Eltern Vincent und Geniève sind machtlos vor Schmerz. Nach monatelangem Suchen stellt die Polizei die Nachforschungen nach dem Verbleib des Kindes ein. Vincent und Geniève scheinen an dem Verlust ihrer Tochter zu zerbrechen. Ihre Liebe stirbt, die beiden trennen sich. Jahre später erhält Vincent von Geniève einen Brief, in dem sie ihn bittet, sie schnellstmöglich zu besuchen. Sie sei schwer krank und werde bald sterben. Vincent reist sofort zu ihr. Sie verbringen eine letzte gemeinsame Nacht miteinander... Selten wurde ein Liebesroman so poetisch, schön und intensiv geschrieben. Man saugt jeden Absatz und jedes Gefühl, das aus dem Text erwächst, auf. Wunderbar, traurig, tröstlich. Laurence Tardieu ist ein großes Talent!
Claasen Verlag, 16 Euro
Mary Lawson: Auf der anderen Seite des Flusses

In einem kleinen kanadischen Nest wachsen Arthur und sein jüngerer Bruder auf der Farm ihrer Eltern auf. Während Arthur schon früh tatkräftig seinem Vater auf der Farm unter die Arme greift, entzieht sich Jake jeder Unterstützung. Die Mutter hält schützend ihre Hand über ihren Liebling. Zwischen den Brüdern entsteht eine Rivalität, die sich nur dank Arthurs Rücksichtnahme im Zaum halten lässt. Als ein neuer Reverend mit seiner hübschen Tochter Laura ins Dorf zieht, tritt die Rivalität der beiden jedoch offen zutage. Arthur siegt schließlich: Er heiratet Laura. Doch dafür muss er einen hohen Preis zahlen... „Auf der anderen Seite des Flusses“ ist ein unterhaltsamer Familienschmöker, gerade richtig als Sommerferienlektüre.
Heyne, 8,95 Euro
Dave King: Home Coming

Wenn Sie „Forrest Gump“, „Zeit des Erwachens“ und/oder „Rain Man“ mochten, werden Sie diesen Roman von Dave King lieben! „Home Coming“ erzählt sehr eindringlich und gefühlvoll die Geschichte von Howard Kapostash, der seit 30 Jahren kein Wort mehr gesprochen hat, nachdem er bei einer Minenexplosion in Vietnam sehr schwer verletzt worden war. Zurückgezogen lebt er im Haus seiner Eltern – Mutter und Vater sind lange tot –, das er zimmerweise an drei Mitbewohner vermietet hat. Zu ihnen wie zu anderen Mitmenschen pflegt er aber nur notdürftigen Kontakt. Sein eintöniges, ja, deprimierendes Leben nimmt jedoch eine Wendung, als seine ehemalige Jugendliebe ihren neunjährigen Sohn Ryan bei Howard unterbringt, während sie in einer Klinik einen Drogenentzug macht. Durch Ryan verändert sich nicht nur das Miteinander in der Wohngemeinschaft. Howards Leben und Gefühlswelt erfährt durch den kleinen Jungen eine große Bereicherung. Die vorherige Leere wird gefüllt mit allem, was man in einer intakten Familie erfährt: Wärme, gemeinsame Erlebnisse, Freundschaft. Doch als Silvia ihren Sohn wieder zu sich holt, bricht für Howard seine neue, lieb gewonnene Welt zusammen. King ist ein Meister der Sprache. Ihm ist mit diesem Roman ein großartige Geschichte voller Poesie gelungen!
Aufbau Verlag, 9,95 Euro
Mark Kuntz: Der letzte Raucher

Wer heute rauchen möchte, muss dafür vor die Tür gehen - und genau da steht auch der Ich-Erzähler und letzte Raucher. Vergessen von seinen Nichtraucher-Freunden, die fröhlich in die nächste Kneipe gezogen sind, muss er nun einsam und ausgegrenzt eine ungemütliche Nacht auf dem Balkon verbringen. Schnee und Regen inklusive. Seine erste Panik verfliegt, als er bei einem routinierten Griff in seine Sakkotasche noch eineinhalb Schachteln Zigaretten ertasten kann. Und zu seinem Glück lässt sich auch noch ein Karton Rotwein - versteckt in der letzten Ecke des Balkons - auftun. Während der nächsten 27 Zigarettenlängen lässt der Ausgesperrte sein Raucherleben Revue passieren: Die ersten Feten in dunklen Kellerräumen, auf denen man aus Verlegenheit geraucht hat, darüber, wie man sich als Raucher in Amerika fühlt, und dass die Zigarette davor eigentlich viel wichtiger ist als die danach.
Wer wissen will, warum Rumänien das Traumland der Raucher ist und ein Hund sich perfekt als Alibi für rauchende Lehrer eignet, der sollte sich dieses amüsante Buch nicht entgehen lassen. So wild und abwegig die Spekulationen und Gedankenspiele erscheinen mögen - nachvollziehbar sind sie irgendwie schon. „Der letzte Raucher" ist fabelhaft geschrieben und ein wunderbar zu lesendes Buch, bei dem es Mark Kuntz schafft, den Leser mindestens einmal pro Seite zum Lachen zu bringen. Für die Nichtraucher bietet dieses Buch einen tiefen Einblick in die Nöte ihrer nikotinabhängigen Mitmenschen. Für die Raucher ist es beruhigend, dass sie nicht die einzigen sind, die nachts in längst vergessenen Sporttaschen panisch nach Zigaretten suchen und das größte Glück ihres Lebens erfahren, wenn sie dort tatsächlich noch etwas zum Schmöken finden.
Frauke König
Rowohlt, 6,95 Euro
Till Raether: Das Leben ist nur eine Phase

Es gibt kaum einen Menschen, der nicht einmal darüber nachgedacht hätte, sein Leben radikal zu ändern. Nur wenige aber unternehmen diesen Versuch. Till Raethers Held ist bereit, seine Zukunft neu zu gestalten. Er macht sieben Tage Urlaub und plant sein Leben. Doch einige Umstände hat er dann doch nicht bis ins Letzte durchdacht – zum Beispiel die Pläne und Wünsche seiner Lebensgefährtin Luise. Nachdem Luise den Zettel mit der brandneuen Lebensplanung findet, ist sie mehr als erstaunt über den Eintrag „Kinder kriegen“.
„Das Leben ist nur eine Phase“ ist der erste Roman des „Brigitte“-Kolumnisten Till Rather. Witzig und pointiert erzählt der Autor über Liebe, Freundschaft und Sofa-Vormittage mit den „Waltons“.
Joanna Biernat
Piper Verlag, 12 Euro
Barbara Gowdy: Hilflos

Rachel ist ein neunjähriges Mädchen von ungewöhnlicher Schönheit. Mit ihrer goldbraunen Haut, der blonden Lockenpracht und den riesigen blauen Augen raubt sie Betrachtern fast den Verstand. So auch dem Mechaniker Ron. Ron hat einen Reparaturladen für Elektrogeräte und eine Sammlung antiker Staubsauger. Die Sammlung ist seine erste große Leidenschaft. Die Zweite sind Mädchen, sehr junge und sehr hübsche Mädchen. Der 37–Jährige fährt hin und wieder nach Schulschluss an Mädchenschulen vorbei, um sich die Kinder aus der Nähe anzuschauen und seine pädophilen Triebe optisch zu befriedigen. Doch dann sieht er eines Tages Rachel auf dem Schulhof und verliebt sich in sie. Ron beobachtet das Mädchen tagelang von seinem Lieferwagen aus. Er ist bereit. Jetzt muss er nur noch auf den richtigen Augenblick warten. Zuhause hat er schon alles vorbereitet: Im Keller seines Hauses befindet sich ein liebevoll eingerichtetes Kinderzimmer mit Stofftieren, einem Himmelbett und Fernseher. Und dann kommt es, wie es kommen muss...
Die kanadische Autorin Barbara Gowdy erzählt in ihrem neuesten Werk von einer Entführung, die sofort Assoziationen mit dem Fall der Natascha Kampbusch weckt und doch völlig eigenständig ist.
Was geht in einem Täter vor, der versucht, seine sexuelle Lust gegenüber einem Kind zu unterdrücken? Dass es sich um einen krankhaften Trieb handelt, ist mehr als eindeutig. Aber was genau denkt ein solcher Mann? Barbara Gowdy macht aus Ron nicht einen krimi-üblichen Psychopathen. Tag für Tag versucht er, seine obszönen Bedürfnisse gegenüber Rachel zu unterdrücken und muss fast heldenhafte Kräfte mobilisieren, um dem Kind körperlich nicht zu nahe zu kommen.
Mit dem Roman ´Hilflos´ ist der Autorin ein spannendes und rasantes Drama gelungen, das auf voyeuristische Einblicke in Greueltaten verzichtet, ohne den erhofften Nervenkitzel zu vernachlässigen. So wird der Roman sogar von Rezensentinnen wie Elke Heidenreich empfohlen, die sich eigentlich vom Krimi-Genre distanzieren.
Ein atemberaubendes Buch über den wohl größten Alptraum aller Eltern.
Joanna Biernat
Diana Verlag, 8,95 Euro







