Kinostart 06.11.2008
Waltz With Bashir

Bei den Filmfestspielen in Cannes erntete die israelische Animations-Doku „Waltz With Bashir“ zehnminütige stehende Ovationen und euphorische Kritikerlobpreisungen. Die deutsche Produktionsfirma Razor Film initiierte mit beeindruckenden Bildern, wie Regisseur Ari Folman die eigenen traumatischen Erlebnisse seines Kriegseinsatzes 1982 im Libanon verarbeitet. Folman beschließt, sich erneut mit den damaligen Vorkommnissen auseinanderzusetzen und seine bruchstückhaften Erinnerungen zu einem vollständigen Bild zusammen zu fügen. Er führt Gespräche mit ehemaligen Kriegsgefährten und gewinnt nach und nach ein Stück verdrängte Vergangenheit zurück. Gleichzeitig nimmt seine Verbindung zum Massaker von Sabra und Shatila immer deutlichere Formen an.

„Waltz With Bashir“ ist eine animierte autobiographische Dokumentation, die sich mit den Phänomenen der Verdrängung, dem ersten Libanonkrieg im Allgemeinen und dem Massaker von Sabra und Shatile im Besonderen auseinandersetzt. Der Animationsstil bereichert diesen inhaltlich konventionellen Antikriegsfilm und ist eine gelungene Abwechslung zu üblichen realen Filmaufnahmen.
Karen Schmidt
Ein Quantum Trost

James Bond Fans, aufgepasst! Daniel Craig kehrt in „Ein Quantum Trost“ endlich als kultiger Agent 007 auf die Kinoleinwände zurück. In seinem neuesten Actionabenteuer muss Bond lernen, dass er niemandem vertrauen darf. Trotz des Verrats seiner Geliebten darf er keine persönlichen Gefühlen zulassen. Denn sein neuer Auftrag verlangt Professionalität. Auf der Suche nach dem Drahtzieher einer Terrororganisation landet Bond zunächst auf Haiti, wo er mit der schönen Camille (Olga Kurylenko) eine unerwartete Verbündete findet. Die Spur der Organisation führt den Geheimagenten schließlich über Italien, Österreich und Südamerika zu Dominic Greene (Mathieu Amalric), einem skrupellosen Geschäftsmann mit mächtiger Position in der mysteriösen Vereinigung. Greene nutzt seine Kontakte zu Regierungen und CIA, um die totale Kontrolle über eine der wichtigsten Ressourcen der Welt zu erlangen. In einem Dschungel aus Verrat, Mord und Täuschung muss James Bond der CIA, den Terroristen und sogar M immer einen Schritt voraus sein. Nur so kann er Greens Plan aufdecken und „Quantum“ stoppen.
Zwar kann uns nach dem 21. James Bond Abenteuer storytechnisch nichts mehr überraschen, doch dafür dürfen sich die Zuschauer wieder auf temporeiche Verfolgungsjagden, allerlei technisches Spielzeug und packende Action freuen. Für Fans des berühmten Geheimagenten ist dieser Film ein Muss.
Karen Schmidt
Rumba

Die kanadisch-belgischen Clowns Fiona Gordon und Dominique Abel kombinieren in ihrem zweiten Film Slapstick- und Stummfilm-Elemente mit jeder Menge Situationskomik. Die Story: Das Ehepaar Fiona und Dom liebt das Rumba-Tanzen. Beide sind Lehrer an einer Dorfschule und nutzen die dazugehörige Turnhalle nach dem Unterricht für Tanzstunden. Auf der Heimfahrt von einer Turnierteilnahme verlieren sie die Kontrolle über ihren Wagen und krachen gegen einen Baum. Fiona verliert ein Bein und Dom sein Gedächtnis, die Tanzkarriere ist beendet. Doch damit ist das größte Unglück noch nicht überstanden. Wenn man sich nicht von Anfang an auf den speziellen Varieté-Humor einlässt, macht ein Kinobesuch wenig Sinn. „Rumba“ besitzt zwar einen ganz eigenen Stil, doch ob sich die Kinoleinwand für ein Varieté eignet, ist fraglich. Dieser Film wird wohl nicht die breiten Massen begeistern.
Karen Schmidt
Kinostart 13.11.2008
Im Winter ein Jahr

Sebastian ist ein hübscher, ehrgeiziger Teenager, der von seinen Eltern über alles geliebt und gefordert wird. Als er sich eines Tages in der Nähe seines Familienhauses erschießt, kann seine Familie mit dem Verlust lange Zeit nicht umgehen. Während sich seine Schwester Lilli (Karoline Herfurth) exzessivem Feiern und Männerabenteuern hingibt, versucht die Mutter (Corinna Harfouch) ihren Schmerz mit einem Portrait ihrer beiden Kinder zu verarbeiten. Das Portrait wird für den Künstler Max Hollander (Josef Bierbichler) zu einer Auftragsarbeit, die über das Malen hinausgeht. Langsam arbeitet er sich durch die unzähligen Schichten des Familiendramas und befreit am Ende drei völlig zerrüttete Menschen aus ihrer traumatischen Starre.

Caroline Link hat mit ihrem vierten Film „Im Winter ein Jahr“ ein ergreifendes und zutiefst anrührendes Portrait über eine Familie geschaffen, die langsam zu zerbrechen droht. Mittendrin ist Max Hollander, grandios verkörpert von Josef Bierbichler, der sich als beauftragter Maler plötzlich der Aufgabe stellen muss, viel mehr als nur ein Portrait von zwei Kindern herzustellen. Am Ende laufen alle Fäden bei ihm zusammen. Er ist derjenige, der am meisten über das Innenleben der einzelnen Akteure weiß, nur er kann verhindern, dass sich auch Lilli selbst zerstört. Die Starbesetzung samt Corinna Harfouch, Karoline Herfurth und Josef Bierbichler liefert ein überragendes Schauspiel. - Einer der besten Filme des Jahres!
Joanna Biernat
Der Brief für den König

„Der Brief für den König“ basiert auf dem Fantasy-Bestseller von Tonke Dragt, der dafür sogar mit dem Goldenen Griffel für das beste Jugendbuch der letzten 50 Jahre ausgezeichnet wurde. Im Gegensatz zum Buch enttäuscht der Film auf ganzer Linie. Die Geschichte wurde arg zusammengekürzt und ist schnell erzählt:
Schildknappe Tiuri muss eine Nacht schweigend Wache halten, um zum Ritter geschlagen zu werden. Doch als ihn der schwer verwundete Ritter Edwinem um Hilfe bittet, verlässt er seinen Posten. Ritter Edwinem übergibt Tiuri einen Brief für den König des Nachbarlandes Unauwen. Verfolgt von den roten Reitern und unter einigen Komplikationen gelangt Tiuri schließlich nach Unauwen. Unterwegs verliebt er sich in die holde Jungfrau Lavinia und findet in dem jungen Piak einen treuen Freund. In Unauwen angelangt überbringt Tiuri die Nachricht des Briefes und kann so das Volk vor einem großen Unheil bewahren. Am Ende wird er trotz abgebrochener Prüfung zum Ritter geschlagen und erobert dadurch auch Lavinia.
Wer ein Fantasyabenteuer à la „Die Chroniken von Narnia“ oder „Der goldene Kompass“ erwartet, wird enttäuscht werden. Der ganze Film wirkt wie eine Low-Budget-Produktion. Besonders ärgerlich sind die Drehfehler: zum Beispiel werden in einer Welt des Mittelalters plötzlich Schuhe mit Profilsohle getragen. Auch die schausspielerische Leistung des niederländischen Hauptdarstellers Yannik van de Velde konnte nicht wirklich überzeugen.
Karen Schmidt
Kinostart 20.11.2008
Wächter der Wüste

Das Erdmännchen Kolo ist „Hauptdarsteller“ in einer der schönsten Tierdokumentationen der letzten Jahre. Vor den bildgewaltigen Kulissen der afrikanischen Kalahari hat der britische Tierfilmer James Honeyborne das possierliche Tier von Geburt an mit der Kamera begleitet. Dank der spektakulären Filmtechnik, die Szenen z.B. mit einer Helikopterkamera einfängt, taucht der Zuschauer vollends in die dramatische und faszinierende Welt der wilden Tiere ein. Man erlebt hautnah mit, wie Kolo wider aller Gefahren aufwächst und von seinem großen Bruder die Lektionen zum Überleben lernt. Ein großartiges Filmerlebnis!
Max Payne

Max Payne (Mark Wahlberg) ist ein außergewöhnlicher Polizist. Von dem Drang bestimmt, den Mörder seiner Frau und seiner Tochter zu finden, hat er für Regeln wenig übrig und nichts zu verlieren. Für seine Ermittlungen begibt er sich in die städtische Unterwelt der Gangster, Waffenhändler und Drogendealer. Dort lernt er Mona Sax (Mila Kunis) kennen, deren Schwester vermutlich von demselben Killer ermordet wurde, der auch Max’ Familie auf dem Gewissen hat. Die Suche nach dem Verantwortlichen führt die beiden auf die Spur einer Super-Droge, die fürs Militär getestet und in der Firma von Max’ Frau hergestellt wurde. Angetrieben von der Wut auf den Täter versucht Payne, um jeden Preis an die nötigen Informationen zu gelangen. Dabei gerät er immer tiefer in einen Sumpf aus Illusion und Realität, bis er schließlich dem Mörder gegenüber steht.
Basierend auf dem gleichnamigen Computerspiel liefert Regisseur John Moore einen eher enttäuschenden Action-Thriller. Wie häufig bei Verfilmungen von Computerspielen, ist die Story nicht sehr originell und es fehlt das Tempo, das man in einem Actionfilm erwartet. Allerdings begeistern die visuellen Effekte, die eine irreale, dämonische Welt entstehen lassen. Ein Kinofilm für Fans des PC-Spiels.
Karen Schmidt
Kinostart 27.11.2008
Der Weg nach Mekka

„Der Weg nach Mekka“ beschreibt die Reise des österreichischen Juden Leopold Weiss alias Muhammad Asad, der in den 20er Jahren zum Islam konvertierte. Asad studierte den Koran und verfasste viele Jahre später eine bahnbrechende neue Übersetzung. Außerdem war er maßgeblich an der Gründung Pakistans beteiligt, das er später bei den Vereinten Nationen vertrat. Mit seinen Büchern und Schriften beeinflusste er das moderne theologische Denken im Islam und wurde zu einem bedeutenden Kulturvermittler.1992 starb Muhammad Asad im Alter von 92 Jahren in Andalusien. Der Film von Georg Misch ist kein Dokumentarfilm im herkömmlichen Sinne. Vielmehr nimmt der Regisseur den Zuschauer mit auf die Reiserouten des Diplomaten und Visionärs. Am Rand des Weges begegnen ihm Zeitzeugen, Verehrer und Kritiker Muhammad Asads. Alle zusammen zeichnen ein vielschichtiges Bild vom muslimischen Glauben und dessen Verhältnis zum Westen. Der Zuschauer wird teilweise mit Witz und Charme dazu aufgerufen, sich eine eigene Meinung über Asad, den Islam und die Welt der Religionen zu bilden.
Karen Schmidt
Death Race

„Death Race“ – der Name ist in diesem Film Programm. Wer Autorennen à la „The Fast and the Furious“ erwartet, wird überrascht sein, was dieses Race zu bieten hat. Im Jahr 2012 liegt die amerikanische Wirtschaft am Boden, die Kriminalitätsrate befindet sich in schwindelerregender Höhe und alle versuchen, auf dubioseste Art und Weise irgendwo Geld herauszuschlagen. Reality-Shows mit Schwerverbrechern der Gefängnisinsel Terminal Island sind für die Produzenten eine wahre Goldgrube. Was mit Live-Übertragungen von Käfigkämpfen begann, findet seinen Höhepunkt in den so genannten Death Races. Gefängnisinsassen treten in Autorennen gegeneinander an. Um zu gewinnen muss man nicht nur als erster über die Ziellinie fahren, sondern während des Rennens so viele Gegner wie möglich töten. Wer fünf Rennen gewinnt, erhält seine Freiheit. Als der dreifache Autorennen-Champion Jensen Ames (Jason Statham) unschuldig ins Gefängnis gesteckt wird, stellt ihn die skrupellose Direktorin Hennessey (Joan Allen) vor die Wahl: Entweder er fährt und gewinnt oder er bleibt für immer in seiner Zelle. Unterstützt von einem Mechanikerteam setzt sich Jensen hinter das Steuer eines 8-Zylinder Mustangs. Doch schon bald stellt sich heraus, dass die Feinde nicht nur auf der Rennstrecke lauern und er nicht zufällig in diesem Gefängnis gelandet ist.

Regisseur Paul W.S. Anderson ließ sich von Roger Cormans Film „Death Race 2000“ inspirieren. So entstand ein Action-Thriller, der neben Autorennen, viel Blutvergießen und brutaler Gewalt auch eine Spur Gesellschaftskritik enthält. Derzeit zeichnet es sich in den Staaten ab, dass ein Großteil der amerikanischen Gesellschaft Spaß an Reality-TV hat, das immer mehr den gewaltsamen Gladiatorenkämpfen im alten Rom gleicht. Dieser Film wird die Meinung seiner Zuschauer spalten. Für die einen ist es ein actionreicher Autofilm, für die anderen ein ziemlich blutiger, überaus brutaler Streifen.
Karen Schmidt
Paris, Paris – Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück

„Paris, Paris ¬ Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück“ erzählt eine Geschichte von Freundschaft und Verrat, Leidenschaft und Eifersucht und vor allem von der Liebe zur Musik. Gérard Jugnot („Die Kinder des Monsieur Mathieu“ ) spielt diesmal im Paris der 30er Jahre den arbeitslosen Bühnenarbeiter Pigoil. Er versucht mit Hilfe seiner zwei Freunde Milou (Clovis Cornillac) und Jacky (Kad Merad) das Musiktheater „Chansonia“ wieder zu eröffnen. Zur selben Zeit muss Pigoil erfahren, dass ihm das Sorgerecht für seinen Sohn entzogen wird. Nun muss die neue Show des „Chansonia“ ein Erfolg werden, da er nur so sein Kind zurückbekommen kann.

Die drei Freunde holen sich Hilfe von einem ehemaligen Starkomponisten, dem legendären Monsieur Radio (Pierre Richard). Außerdem finden sie mit der jungen Sängerin Douce (Nora Arnezeder) einen echten Star. Mit den zahlreichen, eigens für den Film komponierten Chansons ist eine Show entstanden, wie sie Paris noch nie gesehen hat. Trotzdem sind Pigoil und sein Sohn noch immer voneinander getrennt. Denn Pigoil befindet sich plötzlich als Mordverdächtiger im Polizeikommissariat...
Regisseur Christophe Barratier präsentiert mit wundervoller Musik und unvergesslichen Bildern einen Film, der nicht nur Parisliebhaber begeistern wird. Der perfekte (Vor-)Weihnachtsfilm zum Schwelgen und Genießen!
Karen Schmidt







